Die Leiden des jungen Werther | Oktober 2015

Wann: Oktober 2015

Wo: Junges Theater Göttingen

Bühnenbearbeitung: Astrid Kohlmeier

Lesung & Buchpräsentation | Flüstere mir mein Meer glatt

Lyrik und Theatertexte von Astrid Kohlmeier

Wann: am 15. September 2015, 19:00 Uhr

Wo: Cuntra La Kunsthure, Feuerbachgasse 9, 8020 Graz

Texte: Astrid Kohlmeier

Lesung: Astrid Kohlmeier, Norbert Wally

Musik: Norbert Wally

Visuals: Hr.wig

Kulinarisches: Herwig Steiner

Ich freue mich auf euer Kommen!

 

Artwork: tmcom.at

Cover: André Gilbert Schmucki, Foto: Frank Jacob

Winterstarre | Frei zur Uraufführung

2015, 1 WD, 1 MD, 1 Musiker frei zur Uraufführung - Leseproben auf Anfrage

 

Foto: Hr.wig

Leseprobe

Junge Frau: Mögen Sie denn keine Geschichten?

Der Fremde: Das kommt auf die Geschichte an.

Junge Frau: Und Geheimnisse?

Der Fremde: Geheimnisse von Fremden? Wie Ihnen?

Junge Frau: Zum Beispiel.

Der Fremde: Das kommt auf das Geheimnis an. Aber sollte man Geheimnisse nicht für sich behalten? Sonst wären Sie ja keine Geheimnisse mehr.

Junge Frau: Da bin ich mir nicht sicher.

Der Fremde: Wie meinen Sie das?

Junge Frau: Es fordert doch einiges an Mut, um ein Geheimnis zu teilen. Aber, so denke ich mir gerade, sobald jemand Bescheid weiß, ist man nicht mehr allein, mit seiner Wahrheit.

Der Fremde: Reden Sie immer so philosophisch daher?

Die junge Frau: Sie machen sich lustig.

Der Fremde: Vielleicht. Ein wenig.

Junge Frau: Sie können nun natürlich noch aufstehen und gehen, falls ich Ihnen zu philosophisch bin.

Der Fremde: Das hier ist mein Platz.

Junge Frau: Was?

Der Fremde: Wenn, dann sollten doch Sie aufstehen und gehen. Das hier ist mein Platz. Ich war zuerst hier.

Junge Frau: Nun gut.

Die junge Frau steht auf.

Der Fremde: Nun seien Sie nicht gleich eingeschnappt.

Junge Frau: Ich warte besser drüben.

Der Fremde: Bleiben Sie ruhig. Wie Sie schon gesagt haben, das alles hier kann doch kein Zufall sein. Sie hier. Ich hier. Gemeinsam. Wie verabredet. Meinen Sie nicht?

Der Fremde nimmt das Feuerzeug, zündet die Kerze auf dem Muffin an.

Junge Frau: Sind Sie immer so?

Der Fremde: Ja. Und nun setzen Sie sich wieder hin. Wie heißen Sie?

Junge Frau. zögernd: Ich habe mir, als ich Sie beobachtet habe, überlegt, dass ich mich Ihnen nicht mit Namen vorstellen werde.

Der Fremde: Weshalb denn das?

Junge Frau: Mir erscheint es ja auch etwas seltsam, ehrlich gesagt. Aber …

Der Fremde: Aber was?

Junge Frau: Ich weiß nicht wie ich es in Worte fassen soll, aber an diesem Geburtstag möchte ich einfach nur Mensch sein, Ich sein. Verstehen Sie, was ich meine?

Der Fremde (zweifelnd): Nun ja, ich denke schon.

Junge Frau: Sehen Sie. Und Sie… Ich dachte…, Sie dürfen Sie sein, mir nah sein und fremd bleiben. Und ich werde noch eine Weile Sie zu Ihnen sagen.

Der Mann hebt das gefüllte Glas, das der Ober gebracht hat, die Frau hebt ihr eigenes und stößt mit ihm an.

Der Fremde: Zum Wohl! Auf uns! Auf Ihren Geburtstag!

Die junge Frau und der Fremde trinken. Schweigen.

Der Fremde: Jetzt schweigen Sie?

Junge Frau: Ich sagte Ihnen doch, dass ich schüchtern bin. Jetzt habe ich Sie angesprochen und nun weiß ich nicht weiter.

Der Fremde: Erzählen Sie mir etwas. Etwas von sich.

Junge Frau: Ich weiß nicht recht.

Der Fremde: Kommen Sie schon. Ich beiße nicht.

Junge Frau: Ich …

Der Fremde: Wenn Sie mir schon nicht Ihren Namen verraten wollen, könnten Sie mir doch erzählen, wer Sie sind.

Junge Frau: Wer ich bin?

Der Fremde: Ja.

Junge Frau: Jetzt werden Sie aber philosophisch.

Der Fremde: Vielleicht.

Junge Frau: Und wo beginnen?

Der Fremde: Mit einem Wort vielleicht?

Junge Frau: Winterstarre.

Der Fremde: Was?

Junge Frau: Winterstarre. Sie sehen mich so verwundert an.

Der Fremde: Tatsächlich?

Junge Frau: Sie haben eben den Kopf ein wenig schräg gelegt und kneifen die Augen zusammen. Und Sie runzeln die Stirn. „Was?“ fragt ihr Gesicht.

Der Fremde: Sie wollen an ihrem Geburtstag über die Winterstarre sprechen?

Junge Frau: Ja, ich möchte mit Ihnen über die Winterstarre sprechen, das Wesen der Winterstarre fassen.

Der Fremde: Sind Sie denn Biologin?

Junge Frau: Was wissen Sie über die Winterstarre?

Der Fremde: Lebewesen verfallen in eine Winterstarre, wenn die Temperatur unter das tolerierte Minium fällt.

Junge Frau: unter das tolerierte Minium, ja.

Der Fremde: Alle Lebensvorgänge werden dabei auf annähernd null zurückgefahren. Die Körpertemperatur passt sich der Außentemperatur an.

Junge Frau: Das wusste ich nicht.

Der Fremde: Ja, und der Herzschlag pro Minute ist meist sehr gering, genau wie die Atemfrequenz.

Junge Frau: Aber die Augen, die Augen bleiben geöffnet.

Sie schweigen.

Junge Frau: Wissen Sie, ich bin der Winterstarre nämlich begegnet.

Der Fremde: Sie sind also der Winterstarre begegnet?

Junge Frau: Ja, das ist nun über fünfzehn Jahre her.

Der Fremde: Ich verstehe, Sie denken an Ihrem Geburtstag über die Vergangenheit nach.

Junge Frau: Tun wir das nicht alle?

Der Fremde: Sie sind also der Winterstarre begegnet.

Junge Frau: Ja.

Der Fremde: Und? Weiter?

Junge Frau: Ich glaube auch Sie begegnen ihr tagtäglich.

Der Fremde: Ich kann Ihnen nicht ganz folgen.

Junge Frau: Sie begegnen ihr als Mann, Frau oder Kind. Denn die Winterstarre macht vor niemandem Halt.

Der Fremde: Sie sprechen wohl gerne in Rätseln?

Junge Frau: Ich meine damit, dass die Winterstarre jedes Alter kennt und allgegenwärtig ist.

Der Fremde: Ich weiß noch immer nicht, worauf Sie eigentlich hinauswollen.

Junge Frau: Die Winterstarre ist hinter der Wohnungstür im Nachbarhaus, hinter dem Fenster, aus dem kein Licht nach draußen drängt, auf dem Spielplatz, an der Bushaltestelle und in der Schlange an der Supermarktkasse direkt hinter Ihnen. Die Winterstarre und Sie benutzen denselben Gehsteig in entgegen gesetzter Richtung vielleicht, sie sitzt im Kino auf dem Platz neben Ihnen oder einen Schreibtisch weiter im Büro. Sie sind verwandt, bekannt, ja befreundet. Und manchmal teilen Sie gar das Bett mit der Winterstarre.

Der Fremde: Und deshalb wäre es schön und gut, zumindest umeinander zu wissen.

Junge Frau: Ja.

Schweigen.

DIE LEIDEN DES JUNGEN WERTHER | UA 7.11.2013

von Johann Wolfgang Goethe, Kaleidoskop Theater Luxembourg

Inszenierung: Jean Paul Maes

Bühnenbearbeitung: Astrid Kohlmeier

Mit: Raoul Migliosi als Werther, Rosalie Maes als Lotte, Max Gindorff als Albert

PRESSE

"Die erfrischend unkonventionelle, wenngleich werkgetreue Bearbeitung (im allerbesten Wortsinn!) der österreichischen Autorin Astrid Kohlmeier im Auftrag des Kaleidoskop-Theaters (Inszenierung: Jean-Paul Maes) ist eine Uraufführung. Die drei jungen, zweifellos vielversprechenden Schauspieler, die zwar erst am Anfang ihrer Theaterlaufbahn stehen, überzeugen durch konzentriertes Spiel, hervorragende Bühnenpräsenz und nuancenreiche Ausdrucks- und Wandlungsfähigkeit - eine rundum überzeugende und ansprechende Darbietung [...]." In: Letzebuerger Wort, 9.11.2013.

"Die Bearbeitung der jungen österreichischen Autorin Astrid Kohlmeier stellt auf äußerst beeindruckend poetische Weise diese in blinde Leidenschaft gefasste, geradezu körperlich unerträgliche Liebe in ein Dreiecksverhältnis junger, miteinander befreundeter Menschen. Werther legt sich seine AUSGRENZUNG selber auf, und deshalb wiegt sie um so schwerer. Schwermütig saugt sie sich mehr und mehr in die Tiefen des Unentrinnbaren." In: Tageblatt, 6.11.2013.

"Die österreichische Autorin Astrid Kohlmeier hat den Originaltext an die inszenatorischen Bedürfnisse angepasst, unnötigen Ballast wie Landschaftsbeschreibungen und einige Nebenfiguren über Bord geworfen. [...] Die theatralischen Besonderheiten des Originaltextes wurden herausgearbeitet, die Sprache Goethes beibehalten: Ein echter Werther also." Patrick Versall. In: Journal, 6.11.2013.

WITTGENSTEINS NEFFE. EINE FREUNDSCHAFT. | UA 1.3.2013

von Thomas Bernhard, Schlosstheater Celle

Regie: Tobias Sosinka

Bühnenbearbeitung: Astrid Kohlmeier

Mit: Andreas Herrmann (Erzähler), Jürgen Kaczmarek (Paul)

PRESSE

Wie der vom Theater fast vergessene Thomas Bernhard in der Diaspora sich wiederfindet: »Wittgensteins Neffe« im Schlosstheater Celle

[...] Witt­gen­steins Neffe ist ein kur­zer Pro­sa­text Bern­hards, der von der jun­gen Gra­zer Auto­rin Astrid Kohl­meier für die Bühne ein­ge­rich­tet wurde. Erzählt wird die Geschichte der Freund­schaft des erzäh­le­ri­schen Egos Tho­mas Bern­hards mit Paul Witt­gen­stein, dem exzen­trischs­ten aller Nach­kom­men des an Exzen­tri­kern nicht armen öster­rei­chi­schen Hau­ses Witt­gen­stein, Tobias Sosinka hat sie in Celle inszeniert.

Wie bei­nahe jede der berühm­ten und zuwei­len auch berüch­tig­ten bern­hard­schen Tira­den haben Stoff und Kon­struk­tion starke musi­ka­li­sche Wur­zeln, Sprach­rhyth­mus und Duk­tus sind trotz ihrer zuwei­len sper­ri­gen didak­ti­schen Aus­las­sun­gen fein kom­po­niert. Musik spielt im Werk Tho­mas Bern­hards nicht nur als Thema eine Rolle, sie zieht sich bis in den Satz­bau hin­ein. Die Text­fas­sung zollte dem Tri­but, lässt unan­ge­tas­tet, was unan­ge­tas­tet blei­ben muss, setzt aber das mono­lo­gi­sche Solis­ten­prin­zip (auch das ein Bernhard-Typus) behut­sam in eine zumin­dest stel­len­weise dia­lo­gi­sche Form. So ent­ste­hen aus dem mono­ma­nen Erzähl­strang tat­säch­lich eini­ger­ma­ßen leben­dige Thea­ter­fi­gu­ren. Eine »papie­rene« Umset­zung, die so viele der der­zeit wun­der­li­cher­weise so moder­nen Pro­s­a­dra­ma­ti­sie­run­gen aus­zeich­net, fin­det nicht statt. [...]

Was blei­ben kann? Eine drin­gende Rei­se­auf­for­de­rung in die soge­nannte »Thea­ter­pro­vinz«, die die Staats­thea­ter­be­su­cher gros­ser Städte gerne mal bei ihrem Blick in das Umland ver­nach­läs­si­gen. Thea­ter lebt auch an ande­ren Orten, ins­be­son­dere wenn es sich mit ande­ren Tex­ten als den der­zeit moder­nen beschäf­tigt. [...]

Matthias Schumann: Existenzbeherrscher. In: Hamburger Feuilleton, 20. März 2013.

CABARET | 07. Oktober 2011

Musical von John Kander (Musik), Fred Ebb (Text) und Joe Masteroff (Buch).

Inszenierung: Astrid Kohlmeier
Musikalische Leitung: Ludger Nowak
Choreographie: Mack Kubicki
Ausstattung: Rahel Seitz

Premiere: 07.10.2011, Landestheater Schwaben, Memmingen

Info, Vorstellungs- und Gastspieltermine: Siehe www.landestheater-schwaben.de

»Willkommen, bienvenue, welcome« im Berlin der 30er Jahre! Während sich der braune Sumpf immer stärker formiert, versucht die Welt ihre grellbunte Glanz- und Glamour-Fassade aufrechtzuerhalten und im »Cabaret« die Sorgen des Alltags zu verdrängen. Sally Bowles ist ein vergnügungssüchtiges Nachtschattengewächs, welches die Nacht zum Tag macht. Politisch uninteressiert, ist sie dem Berliner Nachtleben völlig verfallen. Für marschierende Nazis und Untergangsstimmung ist da kein Platz. Ihre Welt ist der gesellige Nollendorfplatz, das billige Zimmer in Fräulein Schneiders Pension und der verruchte Kit Kat Klub. Sie hat den unbändigen Wunsch, berühmt und geliebt zu werden. Und so soll es sein: der junge amerikanische Schriftsteller Clifford Bradshaw lernt die englische Nachtclubsängerin kennen und erliegt sofort ihrer faszinierenden Persönlichkeit...

Dieses Musical ist ein einziger Superlativ: acht Tony Awards am Broadway, acht Oscars für die Verfilmung und der Beginn von Liza Minnellis Weltkarriere. Der Stoff, der sich auf autobiographische Erlebnisse des englischen Schriftstellers Christopher Isherwood bezieht, wurde vom Musical-Erfolgsduo Kander&Ebb (u.a. auch »Chicago«, »Kuß der Spinnenfrau«) 1966 erstmals am Broadway aufgeführt.

PRESSE

Ruhm oder Liebe. Astrid Kohlmeier inszeniert Musical "Cabaret" am LTS. In: Memminger Kurier. 12.10.2011.

Seit einigen Jahren wird der sonst abgedeckte Orchestergraben im Stadttheater für musikalische Produktionen geöffnet: Ohne Drehbühne und mit begrenzten finanziellen Mitteln, doch mit größtem Einsatz des kleinen Ensembles, begeisterten Statisten, namhaften Gästen und der Hilfe von Sponsoren gelingt es der Intendanz immer wieder, weltberühmte Musicals wie heuer "Cabaret" zu präsentieren - eine Gemeinschaftsleistung von beispielhafter Größe.

Die junge Regisseurin Astrid Kohlmeier, die von 2006 - 2008 als Regieassistentin am LTS engagiert war und im Kaminwerk ihr eigenes Stück "Grüne Organe" vorstellte, hat sich inzwischen durch ihre erfrischen unkonventionellen Studio-Inszenierungen in Memmingen einen Namen gemacht. Besonders begeisterte sie das Publikum mit "Shakespeare, Mörder, Pulp & Fiktion", einem Stück, mit dem sie feinen, hintersinnigen Humor und geschicktes Improvisationstalent bewies: So besetzte sie die Rolle der "Leiche" in Ermangelung eines geeigneten Statisten kurzerhand mit dem Abendspielleiter. Mit "Cabaret" führt Astrid Kohlmeier erstmals im großen Haus Regie und konnte eine der glanzvollsten und erfolgreichsten Premieren der letzten Jahre verzeichnen. Für diese große Herausforderung standen ihr mit Ludger Novak (Musikalische Leitung) und Mack Kubicki (Choreographie) kompetente und erfahrene Gäste zur Seite, dazu ein hochmotiviertes Ensemble mit neuen und bewährten Kräften, die alle in der abwechselnd laufenden Produktion "Andorra" auf der Bühne stehen - unglaublich wie sie das schaffen. Die Story des Musicals von John Kander und Fred Ebb, das 1966 Premiere am Brodway feierte,und als Film Liza Minellis Weltruhm begründete, ist bekannt: Vor dem todernsten Hintergrund der sich ausbreitenden braunen Gefahr strebt im vergnügungssüchtigen Berlin der Dreißigerjahre die lebenslustige junge Nachtklubsängerin Sally nach Erfolg und Ruhm und verrät in ihrem in jeder Hinsicht blindem Ehrgeiz Liebe und mögliches Leben.

In Astrid Kohlmeiers Inszenierung spielen und singen Josephine Bönsch (Sally Bowles) und Matthias Wagner (Cliff Bradshaw) die Hauptrollen, beide mit beeindruckenden Stimmen, wobei Josephine Bönsch akustisch wie optisch frappierend an den US-Star erinnert. Vor allem in den Solo-Partien kommt ihr faszinierendes, modulationsfähiges Stimmvolumen - gepaart mit eleganten Bewegungen und enormer Ausstrahlung - zu mitreißender Geltung. Das Premieren-Publikum quittierte diesen ersten großen Auftritt der Nachwuchstalente mit tosendem Beifall.

Blickwechsel - XX. Greizer Theaterherbst

Leitung: Astrid Kohlmeier

Premiere: 17.09.2011, Kaufhaus am Puschkinplatz, Greiz

Die Schauspielwerkstatt „Blickwechsel“ fand im Rahmen des XX. Greizer Theaterherbstes, einem sozio-kulturellen Projekt, das Amateure und internationale Theaterprofis zusammenführt, statt. In gemeinsamer mehrwöchiger Arbeit entwickelten die Beteiligten mit der Autorin und Regisseurin Astrid Kohlmeier einen Theaterabend. Dieser feierte am 17. September 2011 in den Räumlichkeiten des Kaufhauses am Puschkinplatz seine Premiere.

„Blickwechsel“ widmet sich jenen Biographien, die kaum in den Geschichtsbüchern und im Bewusstsein einer Stadt Raum finden. Es sind dies die Geschichten der „Zugezogenen“, die Geschichten von Menschen also, die aus den unterschiedlichsten Gründen nach Greiz gekommen sind, um hier zu leben: Migranten, darunter Flüchtlinge, Asylbewerber, Aussiedler... 

Wer sind die, die irgendwann einmal als „Fremde“ in dieser Stadt angekommen sind? Woher kommen sie? Und was bewegte sie dazu Greiz zur neuen Heimat zu erwählen? Ein Krieg? Eine Liebe, vielleicht? Die Werkstatt lädt ein, Perspektiven auszutauschen und Schätze der Stadt Greiz zu bergen, die erst durch die Augen der Zugezogenen sichtbar werden.

Die Ordnung der Gesellschaft nicht stürzen (UA) | Freitag, 18. Februar 2011

Ein Spiel mit Friedrich Schillers "Briefen zur ästhetischen Erziehung des Menschen" für Jugendliche und Erwachsene / Uraufführung

Text und Regie: Astrid Kohlmeier
Ausstattung: Rahel Seitz
Mit: Michaela Fent (Ratia), Fridtjof Stolzenwald (Wilde), Helwig Arenz (Friedrich Schiller)

Premiere: Fr., 18.02.2011, 20:00 Theater am Schweizerberg, Landestheater Schwaben

Weitere Vorstellungen: Mi. 23.02, Do. 24.02., Sa. 26.02., Sa. 05.03., So.06.03., So. 13.03., Di 15.03., Sa. 19.03, Do. 24.03., Di. 29.3., Sa. 02.04., Mi. 06.04., So. 10.04. / jeweils 20:00 Theater am Schweizerberg

 

Ob "Räuber", "Kabale", "Carlos" oder "Wallenstein". Immer wieder wird zum Leidwesen junger Menschen behauptet, der frühvollendete Dichter sei einer von ihnen. Aber was hat uns Schillers oft kompliziert konstruierte Kunstwelt heute tatsächlich noch zu sagen?

Schiller selbst hat sich bereits ab frühester Jugend in zahlreichen philosophischen Schriften seiner Gedanken selbst versichert und über die Zeit seines Schaffens ein faszinierendes und monumentales Gedankengebäude errichtet. Hierin ringt er, gleichsam von der künstlerischen  Gestaltung befreit, um Klarheit und Einsicht in die Mechanismen einer zerrütteten Welt, die so nicht bleiben darf, wie sie ist.

Heute führen Schriften wie Schillers "Briefe zur ästhetischen Erziehung des Menschen" ein Schattendasein in der schulischen Rezeption und geistern als Halbsatz durch die Sekundärliteratur. Zu Unrecht.

Nichts Geringeres als das dialektische Verhältnis zwischen Natur und Staat, zwischen Fühlen und Denken, zwischen Freiheit und Notwendigkeit sind Schillers Gegenstände. Im Zentrum steht der Mensch. Er sei das „unselige Mittelding zwischen Vieh und Engel“, und nur er könne diesen scheinbar unüberbrückbaren Riss, der durch ihn geht, überbrücken. Doch dazu müsse er lernen, beide Seiten an sich zu akzeptieren, konsequent auszubilden und zu leben.

Die eine Seite ohne die andere führe in die Katastrophe. Nur die Ausbildung des Zusammenspiels beider Seiten mache den Menschen zum Menschen. Doch bis dieser und sein Zusammenleben im Staat genesen sei, brauche es die Kunst, die als einzige die Kraft habe, den Menschen aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit zu befreien.

So schreibt Schiller in den BRIEFEN ZUR ÄSTHETISCHEN ERZIEHUNG:

„Der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Wortes Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt.“

Das Landestheater Schwaben wird dieses Spiel mit der Inszenierung "Die Ordnung der Gesellschaft nicht stürzen" wagen. Die Grazer Autorin und Regisseurin Astrid Kohlmeier (bisherige Inszenierungen am LTS: "Männliche Wimpern & Weibliche Zehen", "Windstrich", "Black Dogs", "Shakespeare, Mörder, Pulp & Fiktion") begibt sich mit dem Ensemble und den jungen Zuschauern auf eine abenteuerliche und verspielte Entdeckungsreise durch Schillers philosophische Briefe, folgt deren frecher Ernsthaftigkeit und ihrem anarchischem Witz. Der Klassiker darf vom Denkmalssockel herabsteigen und zu unserem Zeitgenossen werden, der uns weitaus mehr zu sagen hat, als wir bisher geahnt haben.

Ein sinnliches, spannendes und überraschendes Theaterabenteuer, das die Frage nach der Notwendigkeit, Wirkung und Legitimierung von geschellschaftlichen Umbrüchen, von Widerspruch, Opposition und Rebellion stellt...

PRESSE

Schiller als Freund bei Facebook. Uraufführung im Theater Memmingen. Von Brigitte Hefele-Beitlich. In: Memminger Zeitung. Allgäu-Rundschau. 21.02.2011.

Memmingen. Hat Astrid Kohlmeier abgeschrieben? Ja, und das gibt sie auch offen zu: Die junge Grazer Autorin und Regisseurin hat aus Friedrich Schillers "Briefen zur ästhetischen Erziehung des Menschen" für ihr Stück geschöpft, das jetzt auf der Studiobühne des Landestheaters Schwaben uraufgeführt wurde. Selbstverständlich hat sie die Originalzitate in ihrem Theatertext "Die Ordnung der Gesellschaft nicht stürzen" mit Fußnoten versehen. Und das Schillers philosophisches Gedankengut in die Dialoge des Zweipersonen-Stücks auf erfrischend moderne Weise einfließt, ist ihr wohl kaum anzukreiden.

Im Gegenteil, denn gerade das Hereinholen von Schillers Thesen in die Gegenwart des 21. Jahrhunderts war Intention dieser Auftragsarbeit, die vor allem Jugendliche ansprechen will. Kohlmeier (27), die selbst inszeniert hat, wählt dafür ein Medium, in dem Sein und Schein, Realität und Fiktion ohnehin kaum noch zu unterscheiden sind: das Internet. Schiller ist der Facebook-Freund von Ratia (Michaela Fent), einer intellektuellen Leseratte, die sich wahlweise mit dem Laptop oder einem gelben Reclamheftchen in der Hand zum Date mit ihrem genialen Idol träumt.

Freak und Schulabbrecher

Stattdessen trifft sie auf Wilde (Fridtjof Stolzenwald), den Freak und Schulabbrecher, dem Bücher fremd und kluge Worte zuwider sind. Skeptisch reagiert er auf Ratia, aus der der Idealismus nur so heraussprudelt, die über Freiheit und den Mut, die Welt zu verändern sinniert. (Zumindest virtuell kommt auch Schiller selbst, Helwig Arenz, als Redner "Über die gesellschaftlichen Zustände" einmal zu Wort.)

Ratia ist geradezu verliebt in Schillers geistige Welt - Wilde holt sie immer wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. Einen Raum aus aufgestapelten Umzugskartons hat Bühnenbildnerin Rahel Seitz für dieses spannende Spiel aus Annäherung und Abstoßung geschaffen. Die Kartons sind schnell umgestapelt und damit quasi ein Sinnbild für eine junge Generation, die sich ungern auf etwas Verbindliches einlassen will. Als Wilde die philosophische Dauerberieselung schließlich zu viel wird, baut er einfach einen (Elfenbein-) Turm um Ratia herum und verschwindet mit E-Gitarre und Jimi Hendrix' "Wild Thing" auf den Lippen. Ein starker Abgang.

Unverkrampfte Begegnung

Überzeugend agieren beide Darsteller in diesem Stück, das zur überraschend unverkrampften Begegnung mit dem Klassiker wird. Dass es am Ende keinen Verlierer gibt, zählt zu den Stärken des Textes - und der Präsenz der Schauspieler, die sich die Bälle temporeich auf Augenhöhe zuspielen. Viel Applaus gab es dafür auch vom stark vertretenen jugendlichen Publikum am Premierenabend.

GRÜNE ORGANE (Schweizer EA)| 28. Jänner 2011

 

Text: Astrid Kohlmeier

Regie: Marco Hausammann-Gilardi

Spiel: Nic Aklin, Nicole Lechmann, Dominique Lüdi

Premiere: 28.01.2011, 20:30, Theater Palazzo, CH-4410 Liestal, Poststrasse 2

Weitere Vorstellungen:

29.01.2011, 20:30, Theater Palazzo, Poststrasse 2, CH-4410 Liestal

03.02., 04.02.,12.02., 13.02. (Anfangszeit 19.00 Uhr), 03.03. (ausverkauft), 04.03. und 05.03.2011, Beginn: 20:00, unternehmen mitte - safe, Gerbergasse 30, 4001 Basel, www.mitte.ch / Reservation: mail(at)brotundsalz.ch oder 078 880 50 51

16.03., 17.03., 18.03. und 19.03.2011, Beginn: 20:00, Keller62, Rämistrasse 62, 8001 Zürich, www.keller62.ch / Reservation:RESERVATION(at)KELLER62.CH oder 044 253 27 55

http://www.grueneorgane.ch

 

Nudera treibt sich Tag und Nacht am Bahnhof herum, auf der Suche nach dem Menschen, der „ihr Liebstes“ halb tot gefahren hat: Ihre Mutter, eine alternde Schauspielerin, sitzt seit einem Unfall im Rollstuhl und benötigt dringend eine Spenderniere, der Autofahrer hat Fahrerflucht begangen. Ruhelos prüft Nudera nun die Gesichter der Reisenden auf der Suche nach einem Schuldigen, unfähig, stattdessen ihrer überlasteten Schwester Veza zu helfen, die die pflegebedürftige Mutter allein versorgt.
Am Bahnhof fällt Nudera Elias auf, aus einer flüchtigen Begegnung wird – Liebe? Elias drängt Nudera, ihre absurde Suche aufzugeben. Sie könne ihrer Mutter viel mehr helfen, wenn sie ihr eine neue Niere beschaffe. Plötzlich geht es um Organhandel. Nudera versucht, Geld aufzutreiben, und um das Leben ihrer Mutter zu retten, muss sie auch noch ein fremdes Leben aufs Spiel setzen….


"Verstrickt in Schuld und Leidenschaften, gehen die Protagonisten in einer seelischen Zerreißprobe an und über ihre Grenzen. Astrid Kohlmeiers Erstlingswerk besticht durch eine extrem dichte Dramaturgie der familiären und emotionalen Verstrickungen und durch die poetische Wucht einer ganz eigenen Sprache."

 

Black Dogs On The Road | 4. und 5. Februar 2011 | VERANSTALTUNG VERSCHOBEN

Leitung: Astrid Kohlmeier

Mit: Anke Rencken, Elisabeth Ziegler und Gästen.

Ort: Falladahaus Greifswald

Zeit: TERMINVERSCHIEBUNG! - Ein neuer Termin wird in Kürze bekannt gegeben!

 

"Black Dogs On The Road" basiert auf dem Stück "Black Dogs", welches am 17.04.2010 in der Regie von Astrid Kohlmeier am Landestheater Schwaben uraufgeführt wurde und am 29.06.2010 bei den Bayerischen Theatertagen in Regensburg gastierte:

„Black Dogs“ ist aus einer Zusammenarbeit des Landestheaters Schwaben, der Psychiatrie des Klinikum Memmingen und des Bündnisses gegen Depression entstanden. In gemeinsamer Arbeit haben Theaterkünstler und von der Krankheit Betroffene einen Theaterabend entwickelt, der das tabuisierte Thema Depression sowohl dokumentarisch als auch mit fiktionalen Mitteln des Theaters erfahrbar machen sollte.

In einem mehrwöchigen Prozess hat die Grazer Regisseurin und Autorin Astrid Kohlmeier aus Gesprächen und Interviews mit an Depression erkrankten Menschen und Fachleuten, aus Tagebuchaufzeichnungen und Briefwechseln Szenen eines Krankheitsverlaufes entwickelt. Der Theaterabend vereinte die Stimmen von rund fünfzehn am Projekt Beteiligten. Die beiden Betroffenen Elisabeth Ziegler und Anke Rencken standen im Zentrum des Theaterabends. Begleitet wurden sie von Schauspieler Peter Höschler.

„Black Dogs“ war die Fortsetzung der von Walter Weyers ins Leben gerufenen Projektreihe „Ausgegrenzt“, die eine breitere Öffentlichkeit auf soziale und private Missstände aufmerksam machen und Menschen in Ausnahmesituationen Gehör verschaffen will.

Aufgrund zahlreicher Anfragen von Betroffenen, Angehörigen, Experten, Künstlern, Institutionen, Vereinen, Theatern und Festivals hat sich die Regisseurin Astrid Kohlmeier entschlossen das TDE (Theater der depressiven Episoden) ins Leben zu rufen. Es ist ihr gelungen weitere Depressionserfahrene, Wissenschaftler und Künstler für eine Zusammenarbeit zu gewinnen, das Stück "Black Dogs" zu "Black Dogs On The Road" weiterzuentwickeln und im deutschsprachigen Raum einem breiteren Publikum zugänglich zu machen.

 

Suburbia | Donnerstag, 13. Januar 2011 19:30

Institut Schauspiel / Universität für Musik und darstellende Kunst Graz

Text: Eric Bogosian
Regie: Igor Bauersima
Ausstattung: Eva Andersch-Hartner
Dramaturgie: Astrid Kohlmeier

Weitere Vorstellungen: 14., 15., 17., 18.,19., 20.,21. und 22.1.2011,
jeweils um 19.30 Uhr

Tinnitustranskription | Dienstag, 14. Dezember 2010

Text: Astrid Kohlmeier
Regie: Eva Paulin
Mit: Jean-paul Maes
Musik: Gabriel Thibaudeau

20:00 Centre Culturel de Rencontre Abbaye de Neumünster (CCRN) / Luxembourg

Weitere Vorstellungen: 15. und 16.12.2010, jeweils 20:00

Ein Komponist, der seine subtile Musik aus den multiplen Geräuschen der Großstadt schöpft, gerät in einen Bombenanschlag. Die Kofferbombe zerreißt nicht nur die U-Bahn, sondern auch seine Identität in lärmende Erinnerungsfetzten. Halb tot erwacht er in einem Zimmer, in das er nach der Explosion wie schlafwandelnd gefunden hat. Mühsam tastet er sich an Erinnerungssplittern und Traumbildern entlang, leidet an Geräuschen. Er, ein Ohrenmensch, mit Tinnitus im Kopf? Ein Zerbombter? Ein Liebender? Ein Freund, vielleicht? Er könnte jeder sein und niemand. Er könnte Du sein...

Ein Mensch als Summe seiner Erinnerungsfragmente: Das musikalisch komponierte Solo stellt die Frage nach der Verlässlichkeit von Identität und eigener Geschichte, Menschsein, Freundschaft und Liebe.

Tinnitustranskription handelt von einem Mann und seinem Tinnitus und wird von der jungen österreichischen Autorin in 3 Sätzen aufgebaut: Herbst-, Winter- und Frühlingstöne erzählen von der Vergänglichkeit und der Unendlichkeit des Lebens. Ähnlich den Goldberg Variationen von Bach verästelt sich ein Thema in Variationen.

Der Mann erinnert sich, Gedanken kreisen, er verwandelt sich in all die andern Menschen in ihm.

Filmische Elemente lassen den Zuschauer assoziative Bilder aus der Gehirnlandschaft des Mannes erblicken.

Produktion: APTC asbl mit der Unterstützung vom Kulturzentrum Abtei Neumünster (CCRN).

Réservation :
+352/26 20 52-1 Centre Culturel de Rencontre Abbaye de Neumünster (CCRN)
+352/47 08 95-1 [Billetterie] www.luxembourgticket.lu

Info : eva.paulin@gmail.com

Buchpräsentation und Vortrag | Donnerstag, 11. November 2010

Ort: Universität Greifswald / 20:00 Falladahaus

Buchpräsentation und Vortrag: Vom Roman zum Theatertext.

Im Anschluss: Diskussion.

 

Astrid Kohlmeier: Vom Roman zum Theatertext. Eine vergleichende Studie am Beispiel der "Leiden des jungen Werther" von Johann Wolfgang Goethe. Saarbrücken: VDM 2010. 228 Seiten.

Dramatisierungen epischer Vorlagen gibt es seit Anbeginn der griechischen Tragödie. Diese bis heute geläufige Theaterpraxis wurde von der Wissenschaft bislang kaum einer umfassenderen Betrachtung gewürdigt. In diesem Buch zeigt nun eine Analyse der S...pielpläne deutschsprachiger Bühnen im Zeitraum 2000/01 bis 2005/06 erstmals Wesen und Häufigkeit dieses Phänomens am Beispiel des Romans auf. Innerhalb der Aufführungspraxis des 20. und 21. Jahrhunderts hat sich zudem eine neue Form des Umgangs mit narrativen Texten herausgebildet, die nicht mehr mit dem Begriff Dramatisierung, sondern vielmehr mit jenem der Theatralisierung zu fassen ist. Ziel einer Theatralisierung ist nicht die Vorlage der Gattung Drama anzupassen, sondern ihr theatrales Potential aufzuspüren und innerhalb eines theatralen Schaffensprozesses performativ umzusetzen. Theaterpraktikern gibt dieses Buch anhand von Goethes vielfach für die Bühne bearbeiteten Romans "Die Leiden des jungen Werther" Anregungen zur formalen und inhaltlichen Umgestaltung eines Romans in einen Theatertext. Wissenschaftlern bietet es zudem neue, für derartige Theatertexte entwickelte Analysekategorien.

Shakespeare, Mörder, Pulp & Fiktion | Donnerstag, 22. Oktober 2010

Von John von Düffel.

Regie: Astrid Kohlmeier

Ausstattung: Rahel Seitz

Mit: Dino Nolting, Martin Daniel Selle, Michael Schöffel

 

14.10.2010, 20:00 Premiere Shakespeare, Möder, Pulp & Fiktion

3. Mindelheimer Theaterherbst / Stadttheater Mindelheim

 

22.10.2010, 20:00 Shakespeare, Möder, Pulp & Fiktion

Theater am Schweizerberg / Landestheater Schwaben

22:00 Jack Rabitt Slims Contest

 

Weitere Vorstellungen: 23., 24., 27., 29., 30., 31. Oktober,

5., 6., 7., 10., 13., 14. November 2010, jeweils 20:00 Uhr.

Karten & Info: +49 /(0)8331 9459-16

 

 

"Ich hab so'n historisches Gefühl im Bauch. Als würden wir mit unseren Colts Geschichte schreiben."

Die Großen dieser Welt haben schon immer die kleinen Ganoven vorgeschickt, um sich nicht die Finger schmutzig machen zu müssen. So auch bei Shakespeare. In seinem Historienstück "Richard III" werden zwei Killer für einen Brudermord in den Tower geschickt. Eigentlich Routine, als sie jedoch das Opfer erreichen, liegt es in tiefem Schlummer. Weckt man ihn also auf, bevor man ihn killt? Darf man ihn in seinem letzten Schlaf stören? Schon bei Shakespeare entspinnt sich zwischen Henkersknechten ein Disput über den Kopf ihres Opfers hinweg, ob und wie und wann und warum überhaupt gemeuchelt werden soll oder doch besser nicht. Es entspinnt sich ein bös-banaler Dialog, eine Rüpel- und Tölpelszene, ein Riesenkalauer mit tödlichem Ausgang.

Mit großem Sprachwitz würfelt von Düffel die Zeiten und Genres durcheinander. Seine Antihelden hadern mit sich und dem Schicksal, mit dem Guten, das sie nicht kriegen, und dem Bösen, das sie nicht hinkriegen - und dann, am Ende, löst sich doch noch ein Schuss...

PRESSE

 

Die Empfindsamkeit des Mörders. Von Eva-Maria Frieder. In: Augsburger Allgemeine. 14.10.2010.

Mindelheim „Richard III.“, Shakespeares meist gespielte Tragödie, entstand 1592, Quentin Tarantinos Kultfilm „Pulp Fiction“ rund 400 Jahre später. Besonders viel gemeinsam haben die beiden naturgemäß nicht. Abgesehen vom Auftritt zweier Blödmänner, die als Killer agieren.

Zeiten und Genres zu einem absurden Cocktail gemixt

Der Autor John von Düffel (1966 in Göttingen geboren) machte diese Gemeinsamkeit zur Grundlage seiner Parodie „Shakespeare, Mörder, Pulp & Fiktion“. In einem einstündigen Kammerspiel mixt er Zeiten und Genres zu einem absurden, tragikomischen Cocktail, den das Landestheater Schwaben (LTS) - wunderbar inszeniert und gespielt - heute Abend auf die Bühne des Mindelheimer Forums bringt.

Mörder 1 (Dino Nolting) und Mörder 2 (Martin Daniel Selle) sollen im Tower von London Clarence (Michael Schöffel), den Bruder des Herzogs von Gloster, vom Leben zum Tode befördern, um für den Herzog den Weg zum Thron frei zu machen.

Die beiden Profi-Killer, die sich, in bester Tarantino-Manier, zunächst beinhart und obercool geben, entpuppen sich zunehmend nicht nur als Trottel, sondern auch als zartfühlende Sensibelchen. Den anfangs geäußerten Grundsatz „Nur ein stummer Schlächter ist ein guter Schlächter“ führen sie gnadenlos ad absurdum.

Statt simpel ihren Auftrag zu erfüllen, geraten sie über dem schlafenden Opfer in einen skurrilen grüblerischen Disput: Darf man einen Schlafenden umbringen? Müsste man ihn nicht anstandshalber vorher wecken? Und überhaupt - hat der wirklich so einen üblen Charakter, nur weil er von hoher Geburt ist? Und hohe Geburt, was ist das überhaupt?

Über ihren unsinnigen Killersorgen vergessen die zwei Jammerlappen Auftrag und Opfer, steigern sich in irrwitzig-weltanschauliches Räsonieren hinein und kommen vom Hölzchen aufs Stöckchen, ziehen sich zwischendurch eine Line rein und werden immer ratloser.

Mörder 1 bricht schließlich heulend zusammen über der Erkenntnis: „Meine Karriere ist Arsch! Wir sind beide Versager!“ Mörder 2 öffnet seinen Geigenkasten und zieht - nicht die erwartete Pumpgun heraus, sondern eine feuerrote Mini-Ukulele. Der Auftrag läuft aus dem Ruder. Dass sich schließlich doch noch ein Schuss löst, ist eher Zufall.

Gastregisseurin und Autorin Astrid Kohlmeier, die schon früher als Regie-Assistentin beim LTS tätig war, hat das Original-Stück neu bearbeitet und einige Szenen hinzu gefügt; etwa den (zwar inhaltlich recht dünn motivierten, aber dramaturgisch durchaus gerechtfertigten) Tanz, der Travolta und Thurman unvergesslich gemacht hat; und den Nolting und Selle grandios parodieren. Die beiden agieren mit herrlicher Spielfreude. Der Sprachwitz, der sich bisweilen zu höherem Blödsinn steigert, der schwarze Humor und die doppelbödigen, halsbrecherischen Perspektivenwechsel des Stücks entfalten sich in ihrer und Kohlmeiers Interpretation zu schönster Blüte.

Reizvoll aufgewertet wird das karge Bühnenbild - mit Plastikplanen hinterlegte Bauzäune - durch raffinierte Schattenspiele.

Karten für die heute um 20 Uhr beginnende Vorstellung im großen Saal des Forums gibt es noch beim MZ-Ticketservice und bei Schreibwaren Rauch. Ab 19.30 Uhr spielt die Big Band des Maristenkollegs im Foyer. Um 20 Uhr eröffnet Bürgermeister Winter offiziell das Festival. Nach der Vorstellung findet eine Premierenfeier mit den Schauspielern statt.

 

Tinnitustranskription auf alex 88,4 | Sonntag, 19. September 17:00

Hörstück von Astrid Kohlmeier (UA T-U-B-E München. 2009.).
Regie, Komposition: Patrick Schimanski.

Sendetermin: Sonntag, 19.09.2010, 17 h

auf alex 88,4 / UKW 88,4 im Raum Berlin-Brandenburg

92, 6 MHz im Berliner Kabelnetz

 

Livestream: www.alex-berlin.de

Ein Komponist, der seine subtile Musik aus den multiplen Geräuschen der Großstadt schöpft, gerät in einen Bombenanschlag. Die Kofferbombe zerreißt nicht nur die U-Bahn, sondern auch seine Identität in lärmende Erinnerungsfetzten. Halb tot erwacht er in einem Zimmer, in das er nach der Explosion wie schlafwandelnd gefunden hat. Mühsam tastet er sich an Erinnerungssplittern und  Traumbildern entlang, leidet an Geräuschen. Er, ein Ohrenmensch, mit Tinnitus im Kopf? Ein Zerbombter? Ein Liebender? Ein Freund, vielleicht? Er könnte jeder sein und niemand. Er könnte Du sein...Ein Mensch als Summe seiner Erinnerungsfragmente: Das musikalisch komponierte Solo stellt die Frage nach der Verlässlichkeit  von Identität und eigener Geschichte, Menschsein, Freundschaft und Liebe.

Greizer Theaterherbst | 10.-18. September 2010

Eröffnungsspektakel "Der Ozeanflug" nach Bertolt Brecht / Kurt Weill

Regie: Tobias Sosinka, Astrid Kohlmeier

www.theaterherbst.de

http://theaterherbst.blogspot.com

10. September 2010, 19:00 Eissporthalle Greiz

21:30 Public Viewing: Herbstblatt I. Das aktuelle Videojournal des Theaterherbstes wird an das Theater projiziert. Leitung: L. Patermann/ M. Werner

Im Anschluss: NNU - Ensembles Berlin. "Ouvertüre": Gemeinsames Singen und Percussionkonzert mit der internationalen Werkstatt. Danach: Lounge

Zwei Jahre nach dem ersten Non-Stop-Flug über den Atlantik schrieben Bertolt Brecht und Kurt Weill 1929 ihr erstes Lehrstück. Das technische Experiment waghalsiger Flugpioniere wurde zum Stoff für ein künstlerisches Experiment, von dem Brecht und Weill ebenso waghalsig behaupteten: „Das Lehrstück lehrt dadurch, daß es gespielt, nicht dadurch, daß es gesehen wird.“ Aufgeführt wurde dieses Stück mit Laienchören. Doch was haben diese dabei gelernt? Und können wir noch heute von dieser Pioniertat lernen? Jedenfalls gilt es in einer Zeit, in der wir einerseits von wunderbaren technischen Erfindungen umgeben, andererseits von globalen Krisen geplagt werden, uns gegenseitig Fragen zu stellen.

Beim diesjährigen Eröffnungsspektakel überqueren zahlreiche flugbegeisterte Greizer den Ozean erneut. Vom Tänzer bis zur Schauspielerin, vom Schulchor bis zur Profimusikerin, vom Feuerwehrmann bis zum Kunstflieger…

Der Greizer Theaterherbst ist ein soziokulturelles Projekt. Es führt Amateure und nationale wie internationale Theaterprofis, darunter Schauspieler, Regisseure, Dramaturgen und Tänzer, aber auch Bildende Künstler und Musiker zusammen. In gemeinsamer Arbeit über mehrere Monate werden in verschiedenen Werkstätten Theaterstücke, Performances und Aufführungen entwickelt, die in einer Festival-Woche, in diesem Jahr vom 10. bis 18. September, ihre Premiere haben.

Künstlerischer Leiter: Nico Dietrich

Stavenhagenstraße 3   07973 Greiz
Telefon: 0 36 61 / 67 10 50   Fax 0 36 61 / 68 72 95
E-Mail: Greizer@Theaterherbst.de

www.theaterherbst.de

Black Dogs | Bayerische Theatertage Dienstag, 29. Juni 2010

Black Dogs. Der Depression begegnen.
Szenen eines Krankheitsverlaufes.Theaterprojekt von und mit Betroffenen und Künstlern.


Text & Regie: Astrid Kohlmeier
Ausstattung: Anne Sevenich
Mit: Elisabeth Ziegler, Anke Rencken, Peter Höschler
Premiere: 17.04.2010, 20:00, Landestheater Schwaben


Weitere Vorstellungen: Sa 17.04., Mi 21.04., Do 22.04., Di 27.04., Do 29.04., So 02.05., Mi 05.05., Fr 07.05., Mi 12.05., So 16.05., Di 18.05, Do 20.05., Fr 21.05. 20:00 Uhr, Sa 22.05., jeweils 20:00 Uhr, Theater am Landestheater Schwaben, Theater am Schweizerberg


Bayerische Theatertage: Di 29.06., 19:30 Uhr, Bayerische Theatertage Regensburg / Turmtheater

„Black Dogs“ ist aus einer Zusammenarbeit des Landestheaters Schwaben, der Psychiatrie des Klinikum Memmingen und des Bündnisses gegen Depression entstanden. In gemeinsamer Arbeit haben Theaterkünstler und von der Krankheit Betroffene einen Theaterabend entwickelt, der das tabuisierte Thema Depression sowohl dokumentarisch als auch mit fiktionalen Mitteln des Theaters erfahrbar machen will.

In einem mehrwöchigen Prozess hat die Grazer Regisseurin und Autorin Astrid Kohlmeier aus Gesprächen und Interviews mit an Depression erkrankten Menschen und Fachleuten, aus Tagebuchaufzeichnungen und Briefwechseln Szenen eines Krankheitsverlaufes entwickelt. Der Theaterabend vereint die Stimmen von rund fünfzehn am Projekt Beteiligten. Die beiden Betroffenen Elisabeth Ziegler und Anke Rencken stehen im Zentrum des Theaterabends. Begleitet werden sie von Schauspieler Peter Höschler.

„Black Dogs“ ist die Fortsetzung der von Walter Weyers ins Leben gerufenen Projektreihe „Ausgegrenzt“, die eine breitere Öffentlichkeit auf soziale und private Missstände aufmerksam machen und Menschen in Ausnahmesituationen Gehör verschaffen will.

Tinnitustranskription | Dienstag, 27. April 2010

Der Mann: Jean-Paul Maes
Inszenierung/Bühne: Eva Paulin
Musik: Gabriel Thibaudeau
Text: Astrid Kohlmeier

Kulturhaus Niederanven, Luxembourg

Reservierung: Tel: (+352) 26 34 73 1
Mail: info@khn.lu

Tinnitustranskription | Freitag, 27. November 2009

Hörstück von Astrid Kohlmeier (UA).
T-U-B-E München. 2009.
Regie, Komposition und Perfomance: Patrick Schimanski.
Premiere: Freitag, 27. November 2009,
T-u-b-e Klanggalerie, München.
 
Ein Komponist, der seine subtile Musik aus den multiplen Geräuschen der Großstadt schöpft, gerät in einen Bombenanschlag. Die Kofferbombe zerreißt nicht nur die U-Bahn, sondern auch seine Identität in lärmende Erinnerungsfetzten. Halb tot erwacht er in einem Zimmer, in das er nach der Explosion wie schlafwandelnd gefunden hat. Mühsam tastet er sich an Erinnerungssplittern und  Traumbildern entlang, leidet an Geräuschen. Er, ein Ohrenmensch, mit Tinnitus im Kopf? Ein Zerbombter? Ein Liebender? Ein Freund, vielleicht? Er könnte jeder sein und niemand. Er könnte Du sein...
Ein Mensch als Summe seiner Erinnerungsfragmente: Das musikalisch komponierte Solo stellt die Frage nach der Verlässlichkeit  von Identität und eigener Geschichte, Menschsein, Freundschaft und Liebe.

Theater Zauber | 21.09.2009

Theater Zauber: Wie kam es, dass der Löwe, die Schneekönigin und der Kaiser von China gemeinsam ein Stück aufführten?
Workshop, KinderUni Graz. 2009.
 
Leitung: Astrid Kohlmeier.
Zeit: 21.09.2009 / 10:00 - 11:30
 
Ort: Universtität für Musik und darstellende Kunst Graz
 
Info: info(at)kinderunigraz.at
 
Im Workshop "Theater Zauber" können Kinder das Theater als Welt aus Spiel, Geschichte, Tanz und Wort für sich entdecken. Die Kinder sollen verschiedene Ausdrucksformen des Theaters wie Gestik, Mimik, Bewegung, Tanz, Sprache, Kostüm und Maske kennen lernen. In einer improvisierten Theatersituation werden sie sowohl die Rolle des Zuschauers, als auch die Rolle des Schauspielers einnehmen. Mit Kostümen und Requisiten werden in Gruppenarbeit kurze Szenen erspielt und am Ende des Workshops aufgeführt.

Die Sommerfrische | 20.6. - 5.7. 2009

Die Sommerfrische von Carlo Goldoni.
Fassung von A. Kohlmeier / T. Sosinka.
Universität für Musik und darstellende Kunst Graz / Institut Schauspiel. 2009 
 
Regie: Tobias Sosinka.
Fassung & Dramaturgie: Astrid Kohlmeier.
Bühne & Kostüme: Helene Droell.
Mit: Studenten des 2. Studienjahres Schauspiel.
 
Premiere: Samstag, 20. Juni 2009, 20:30 Uhr
Garten des Palais Meran, Universität für Musik und darstellende Kunst Graz.
 
Weitere Vorstellungen: So 21.06., Sa 27.06., So 28.06., Sa 04.07., So 05.07. jeweils um 20:30 Uhr